28. Juni 2017 Berlin

Schneller zum Arzttermin

Portrait Erwin D. Drüggelte, Experte
Als Erwin D. Drüggelte macht sich unser Autor Thomas Rottschäfer Gedanken über das Gesundheitswesen. Der Allzweckexperte geistert auch durch seinen Blog satzverstand.de.

Gesundheit! Es heißt ja immer, dass es so schwierig ist, einen Arzttermin zu bekommen. Selbst wenn man tatsächlich krank ist. Und obwohl es immer mehr Ärzte gibt. Fast 380.000 sind es ja inzwischen. Immer mehr Ärzte, aber immer weniger Termine. Ist doch komisch.

Und dann hört man ja immer wieder, dass gesetzlich Versicherte länger warten müssen als Privatversicherte. Deshalb hat Bundesgesundheitsminister Gröhe den Ärzten ja diesen Terminvermittlungsdienst aufs Auge gedrückt. Aber ich will ja nicht zu irgendeinem Arzt vermittelt werden, bei dem das Wartezimmer unter Umständen immer leer ist, weil der auch bei Dünnpfiff Hustensaft verschreibt.  

Wobei ich persönlich ja überhaupt kein Problem mit Arztterminen habe. Man muss sich halt ein bisschen vorbereiten. Es heißt ja ArztBESUCH. Wer zu Besuch kommt, der bringt halt etwas mit. Meine Oma war von der Wiege bis zur Bahre bei der AOK. Die hat ihrem Hausarzt immer was Hausgemachtes mitgebracht: mal Stachelbeermarmelade, mal Leberwurst, mal eine Mettwurst - immer passend zu den Blutwerten. Oma wurde nie gefragt: "Kasse oder privat?" Die kam immer sofort dran.

Das mit Marmelade oder Mettwurst geht heute natürlich nicht mehr. Inzwischen wird ja sogar im Internet veröffentlicht, ob sich Mediziner was zustecken lassen. Wenn der Doktor dann mit Omas Hausgemachtem direkt unter der Kollegin mit dem Pharmameeting auf Malle steht, ist er natürlich die Lachnummer unter den Kollegen.

Zurück zum Thema: Wenn ich zum Arzt will, mache ich mich wirtschaftlich interessant. Wenn´s anfängt, im Hals zu kratzen, erkundige ich mich bei der Kassenärztlichen Vereinigung, welche Leistung gerade ganz oben im Ärzte-Dax steht. Behandlungen werden ja ganz unterschiedlich vergütet. Kurz gesagt: Röhre hat Apple-Appeal, Urinprobe ist eher T-Aktie.

Wenn mich die Praxismitarbeiterin fragt, warum ich im Wartezimmer den Hypochondern Platz wegnehmen will, kann ich mit einer Krankheit glänzen, für deren Behandlung es so richtig Abrechnungspunkte regnet. Dann bin ich so schnell auf der Behandlungsbank wie früher Oma mit der Mettwurst. 

Wenn mir mein Doktor dann leicht missmutig erklärt, dass eine Infektion an der Gebärmutterschleimhaut bei Männern in meinem Alter eher selten vorkommt, komme ich ganz locker darauf zu sprechen, wo es mir tatsächlich weh tut. Hauptsache, der Oberkörper ist schon mal frei.

Sollte Ihnen meine Strategie zu kompliziert sein, habe ich noch einen anderen Tipp: Wenn Sie bei der AOK versichert sind, hilft die Ihnen, schnell einen Arzttermin zu bekommen. Terminservice gehört bei denen zum Service.

Gute Besserung,
Ihr Erwin D. Drüggelte