10. Juli 2017 Hamburg

Hätte, hätte, Keimekette…

Portrait Erwin D. Drüggelte, Experte
Als Erwin D. Drüggelte macht sich unser Autor Thomas Rottschäfer Gedanken über das Gesundheitswesen. Der Allzweckexperte geistert auch durch seinen Blog satzverstand.de.

Gesundheit! Der G20-Gipfel ist vorbei. Während Hamburg aufräumt, bleibt Zeit, die Abschlusserklärung in Ruhe zu lesen. Denn Merkel und die Mächtigen haben sich ja eigentlich nur getroffen, um an diesem wahnsinnig wichtigen Schlusstext zu werkeln. Da werden alle Allgemeinplätzchen hineingebröselt, die bei den vielen Zwei-, Vier- und Mehraugengesprächen übrig geblieben sind.

Zur Gipfelbackmischung gehört selbstverständlich ein ordentlicher Schuss globale Gesundheit. Unser Bundesgesundheitsminister hat es geschafft, dass sich die G20-Racker tatsächlich für die frechen Früchtchen interessieren, die die Globalisierung schon seit dem Urknall als Gewinn betrachten. Und die sich den Fragen der Überbevölkerung auf ihre ganz spezielle Art widmen: multiresistente Keime.

Seit Amtsantritt schleppt Hermann Gröhe ein Petrischälchen voller Keime von Gipfel zu Gipfel und gruselt damit seine Amtskollegen. Das wirkt - zumindest auf dem Papier: G20 und G7, UNO und EU verabschieden Aktionspläne im Akkord. Könnten Keime lesen, würden sie sich schleunigst von der Erde abseilen.

Zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, kurz AMR, findet sich in der G20-Abschlusserklärung eine wahre Perle der Kommuniquekunst:

"Um der Ausbreitung von AMR bei Menschen, Tieren und in der Umwelt zu begegnen, planen wir, die Umsetzung unserer auf der Grundlage des 'One-Health-Konzepts' erarbeiteten nationalen Aktionspläne bis Ende 2018 auf einen guten Weg gebracht zu haben."

Für alle, die sich im konditionalen Futurkonjunktiv nicht so gut auskennen, hier die Übersetzung in leichter Sprache: Hätte, hätte, Keimekette.

Leider sieht bisher kein Aktionsplan vor, Bakterien das Lesen beizubiegen. Das aber wäre schwer von Vorteil. Denn wenn die kleinen Killer schon keinen Respekt mehr vor unserer Antibiotika-Armada haben, dürfte man wenigstens darauf hoffen, dass sie sich über den Text der Packungsbeilagen totlachen.

So bleibt nur die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung, dass nach vielen Absichtserklärungen endlich Taten folgen. Denn im direkten Leistungsvergleich mit den fiesen Bakterien sind Trumps Klimatrampelpolitik, die Wirrköpfe vom IS oder Raketen-Kim aus Nordkorea unsere kleinsten Probleme. Vielleicht würde es ja schon helfen, wenn Keime twittern.
 

In natura sind bakterielle Krankheitserreger selbstverständlich gar nicht lustig. Antimikrobielle Resistenzen sind eine weltweit rasant wachsende Gefahr. Schon 2004 hat das Wissenschaftliche Institut der AOK auf die nachlassende Wirkung von Antibiotika hingewiesen. In Deutschland widmet sich insbesondere das vom AOK-Bundesverband mitbegründete Aktionsbündnis Patientensicherheit dem Kampf gegen die gefährlichen Keime.

Gute Besserung,

Ihr Erwin D. Drüggelte