25. Juli 2017 Köln

Happy Birthday, BZgA!

Portrait Erwin D. Drüggelte, Experte
Als Erwin D. Drüggelte macht sich unser Autor Thomas Rottschäfer Gedanken über das Gesundheitswesen. Der Allzweckexperte geistert auch durch seinen Blog satzverstand.de.

Gesundheit! Und Glückwunsch, liebe Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung! Du hast ja neulich in Köln ganz groß Deinen 50. Geburtstag gefeiert - mit Gesundheitsminister und allem Pipapo.

Die 50 ist kein einfacher Jahresring. Wenn man nicht gerade zu den statistischen Altersausreißern gehört, hat man mehr hinter als vor sich. Außerdem wird im Freundeskreis jetzt immer offener über Arthrose, Rücken und Wartezimmerinterieur gefachsimpelt.
Obwohl, liebe BZgA, Du hast ja schon immer ganz öffentlich über Sucht und Seuchen geredet. Und ziemlich ungeniert gefragt "Tina, wat kosten die Kondome?". Klasse Ideen, klasse Aktionen.

Aber meinst Du nicht, dass es mit 50 langsam an der Zeit ist, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen? Zumal Du als Filia von Vater Staat doch aus steuerlich sehr gut situiertem Hause stammst. Aber über Geld redet man ja besonders dann nicht gerne, wenn es darum geht, an die Asche anderer zu kommen.

Wahrscheinlich hat deshalb Gratulant Gröhe dieses Thema bei Deiner Geburtstagsparty tunlichst vermieden. "Die BZgA unterstützt die Krankenkassen mit ihrem Fachwissen", hat er gesagt. Es wäre nett und erst recht ehrlich gewesen, hätte er hinzugefügt: "Deshalb haben wir mit dem Präventionsgesetz dafür gesorgt, dass Dir die gesetzlichen Krankenkassen seit 2016 jedes Jahr mehr als 30 Millionen Euro überweisen müssen."

Doch dann hätten sich sicher ein paar Leute mehr gefragt, warum sie mit ihrem Krankenkassenbeitrag für Deine Plakate und Broschüren löhnen sollen, obwohl sie dafür bereits Steuern zahlen. Deshalb lässt der Krankenkassen-Spitzenverband jetzt vorsichtshalber klären, ob der Papa seine Unterhaltspflicht für Dich einfach so auf AOK und Co. abwälzen durfte. Denn am Ende machen sich noch 72 Millionen gesetzlich Krankenversicherte der illegalen Behördenfinanzierung mitschuldig – ein ganzes Volk von Vorbestraften, nicht auszudenken.

Klar, liebe BZgA, dass das momentan keine angenehme Situation ist und Du vorsichtshalber ein paar Euros für schlechte Zeiten auf die hohe Kante legst. Aber müssen denn gleich so viele Millionen arbeitslos auf dem Bundeskonto gammeln? Gerade mal 1,7 Millionen Krankenkassen-Euros hast Du im vergangenen Jahr ausgegeben. Deshalb stehen Dir in diesem Jahr schon 63 Millionen zur Verfügung. Von denen sollst Du aber auch gerade einmal 17 Millionen verplant haben, meckern die Kassen. Altes und frisches Geld zusammengerechnet, summiert sich Dein Aufklärungspolster im kommenden Jahr auf runde 80 Millionen Euro.

Mein Tipp, liebe BZgA: Einfach mal ein paar Broschüren in Leder und mit Goldprägung herausgeben. Dann ist das Geld der Beitragszahler schneller weg. Man könnte natürlich auch das Präventionsgesetz wieder ändern….

Gute Besserung,
Dein Erwin D. Drüggelte