29. September 2017, Berlin

Jamaika im Gesundheitswesen? Yeah!

Portrait Erwin D. Drüggelte, Experte
Als Erwin D. Drüggelte macht sich unser Autor Thomas Rottschäfer Gedanken über das Gesundheitswesen. Der Allzweckexperte geistert auch durch seinen Blog satzverstand.de.

Gesundheit! GroKo abgewählt. Und nun? Vor allem in der Gesundheitspolitik verspricht eine sogenannte Jamaika-Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen vier Gute-Laune-Jahre. Yeah! Aber keine Angst. Auch nach dieser Bundestagswahl gilt: Das Land wird nicht so heiß regiert, wie es gewählt hat.

Voll- und Teilzeitexperten sind sich einig, dass sich vor der Landtagswahl in Niedersachsen erst einmal gar nichts tut. Doch hinter den Kulissen laufen längst die Vorbereitungen für die Butterfahrt in die Karibik. Rein durch Zufall bin ich in den Besitz eines Strategiepapieres gelangt, das auf dem Weg zu einem Geheimtreffen in der Berliner Bar jeder Vernunft vom Elektrolaster gefallen ist.

In dem Papier stellen schwarz-gelb-grüne Top-Vordenker fest, dass es nahezu unmöglich ist, sich auf eine gemeinsame Gesundheitspolitik zu einigen. Denn die Grünen lehnen die von der CSU geforderte Obergrenze für Cannabis ab. Im Gegenzug wehren sich die Christsozialen gegen die von den Grünen geforderten kostenlosen Frischzellenkuren für gesetzlich Versicherte auf Jamaika. Und gemeinsam sind CSU und Grüne gegen die Idee der FDP, in Frankfurt eine Terminbörse einzurichten, an der Behandlungstermine beim Arzt (PAX) und im Krankenhaus (KRAX) tagesaktuell gehandelt werden können. Die CDU zeigt sich in allen Fragen unentschlossen.

Die potentiellen Partner halten es jedoch für fahrlässig, eine neue Bundesregierung an der Gesundheitspolitik scheitern zu lassen. Deshalb haben die Spin-Doktoren einen spektakulären Plan geschmiedet: Deutschland wird in vier Gesundheitszonen aufgeteilt. Die Flächen werden CDU, CSU, FDP und Bündnis-Grünen entsprechend ihrem Stimmengewicht zugewiesen. In ihren eigenen Zonen können die vier Parteien dann nach Herzenslust ihre gesundheitspolitischen Vorstellungen idealtypisch umsetzen.

In der grünen Zone wird selbstverständlich schon zum 1. Januar 2018 die Bürgerversicherung eingeführt. Die voraussichtlich Bayern entsprechende CSU-Zone tritt umgehend aus dem Krankenkassenfinanzausgleich aus, damit bayerisches Geld auch wirklich nur bayerischen Patienten zu Gute kommt. Auf dem Areal der FDP gibt es Gesundheit nur noch digital. Die CDU zeigt sich noch unentschlossen und trauert um die GroKo.  

"Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik müssen Koalitionspartner in der Gesundheitspolitik keine Kompromisse mehr eingehen. Die Bürgerinnen und Bürger können frei entscheiden, in welcher Gesundheitszone sie leben wollen", heißt es optimistisch in dem Jamaika-Strategiepapier.

Einen Versuch ist es wert. Denn warum sollte ausgerechnet in der Gesundheitspolitik nicht funktionieren, was sich in der Bildungspolitik mit 16 verschiedenen Versuchslaboren seit Jahrzehnten allerbestens bewährt? Wenn alle Stricke reißen, können wir immer noch das Gesundheitssystem von Jamaika übernehmen. Das soll so schlecht gar nicht sein.

Gute Besserung,
Ihr Erwin D. Drüggelte