1. Februar 2018

Wer hilft jetzt den Privatversicherten?!?

Portrait Erwin D. Drüggelte, Experte
Als Erwin D. Drüggelte macht sich unser Autor Thomas Rottschäfer Gedanken über das Gesundheitswesen. Der Allzweckexperte geistert auch durch seinen Blog satzverstand.de.

Gesundheit! Wenn Prof. Dr. Karl Lauterbach beim GroKo-Poker nicht noch ein Herz-Ass aus dem Ärmel zieht, ist die Bürgerversicherung wohl endgültig vom Verhandlungstisch. Uff, da haben 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherte aber gerade noch mal Schwein gehabt.

Nicht auszudenken, was den GKV-Patienten geblüht hätte, wenn die SPD unsere schöne Zweiklassenmedizin zerschossen hätte. Über kurz oder lang wären wir alle zu Versuchskaninchen für neue Arzneimittel, zu Testhanseln für Beta-Versionen von Medizinprodukten oder zu Anwendungsobjekten für allerneueste, aber wenig erprobte Behandlungsmethoden degradiert worden.

Wir Kassenpatienten sind Forschung und Industrie gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Aber was ist mit den bedauernswerten Privatversicherten? Knapp neun Millionen unschuldige Firstclass-Versicherte bleiben einer hochriskanten Überversorgung durch den medizinisch-industriellen Komplex schutzlos ausgeliefert. Ausgerechnet in einem der wohlhabendsten Länder der Welt haben Privatversicherte keine Lobby? Ein Unding!

Da nützt es ihnen wenig, dass sie vom Arzt weiter als Erste aufgerufen werden. Denn wegen der vielen Doppeluntersuchungen verlieren sie weit mehr Lebenszeit als der gesetzlich versicherte Nachbar. In den Krankenhäusern vereinsamen sie weiter in ihren Einzelzimmern auf den Privatstationen.

Hilflos muss eine PKV-Patientin darauf hoffen, dass sich der Chefarzt zwischen zwei Kongressvorträgen in Kuala-Lumpur und Toronto noch kurz auf so etwas Banales wie den doppelten Meniskusdurchbruch konzentrieren kann. Dagegen wird der glücklich gesetzlich versicherte Arbeitskollege zwei Stockwerke tiefer von der jungen, dynamischen Stationsärztin nach allen qualitätsgesicherten Regeln der Kunst bedoktert.

Privatversicherten bleibt nichts weiter übrig, als Arztbesuche oder Klinikaufenthalte tunlichst zu vermeiden. Dabei sind sie natürlich auf bewährte Gesundheitsweisheiten angewiesen. Um den Bedauernswerten einen Rest an Versorgungsqualität zu bieten, hat der eigentlich nur für die gesetzlich Versicherten zuständige Gemeinsame Bundesausschuss in einem Akt der Barmherzigkeit beschlossen, wenigstens die wichtigsten Weisheiten zu evaluieren.

Ein Ergebnis liegt bereits vor. Das Expertenteam hat festgestellt, dass die Aussage "An apple a day keeps the doctor away" so pauschal nicht zu halten ist. "Mit Blick auf die Versorgungslandschaft sind Anzahl und Gewicht der täglich zu verzehrenden Äpfel dringend an die jeweils zu vermeidende Facharztgruppe anzupassen", heißt es im Abschlussbericht. Dieser dient jetzt als Grundlage für eine moderne Facharztvermeidungsapfelverordnung. Die FAVAVO 2.0 gilt laut Bundesgesundheitsministerium ab Amtsantritt der nächsten GroKo für Angehörige aller Medizinklassen.

Gute Besserung!
Ihr Erwin D. Drüggelte